42-106988

10. Mai 1944: Abschuss eines viermotorigen Bombers über Riedlingsdorf
Von Roland Pfeiffer, Leopold Banny und Heinz Bundschuh

Am 10.5.1944 greifen die Amerikaner wieder Ziele im Großraum Wien und Wiener Neustadt an. Flak und deutsche Jagdflieger schießen an diesem Tag mehr als 20 Angreifer ab. Einer dieser Bomber, eine Maschine vom Typ B-17 Flying Fortress, wird von deutschen Jägern angegriffen und so schwer beschädigt, dass er an der Grenze zu Buchschachen um 11.15 Uhr abstürzt. Die Riedlingsdorfer Bewohner beobachten von Boden aus den Todeskampf des amerikanischen Flugzeuges. Sie sehen wie sich dunkle Punkte von der Maschine lösen und wenig später an Fallschirmen zu Boden schweben. Wie sich später herausstellt, können bis auf zwei Mann alle anderen Besatzungsmitglieder aus dem brennenden Flugzeug aussteigen. Sofort werden auf dem Boden Suchmannschaften eingeteilt, deren Aufgabe es ist, die abgesprungenen amerikanischen Soldaten gefangen zu nehmen.

Walter Zapfel, damals gerade 12 Jahre alt, gehört dem Suchtrupp an, der das Besatzungsmitglied suchen muss, das im Ried Zeming am Hotter zu Unterschützen abgesprungen ist. Sie finden auf einem Acker Schleifspuren vom Fallschirm und graben diesen wenig später aus der Erde, wo ihn der Amerikaner notdürftig versteckt hat. Auf ihrer weiteren Suche gelangen sie bis in ein Waldstück in Unterschützen, wo sie ein Bauernehepaar antreffen. Die Frage, ob sie den Amerikaner gesehen hätte, verneinen sie zwar, doch ist ihnen ihre Angst anzumerken. Schließlich trauen sie sich doch dem Suchtrupp das nahe Versteck des Amerikaners zu verraten. Der Amerikaner wird festgenommen und die Männer des Suchtrupps können sich mit ihm auf Englisch verständlich machen. Er führt sie an die Stelle im Wald, wo er in der Nähe des Absprungortes seine Pistole in einer Bodenvertiefung vergraben hat.

Wilhelm Berk aus Riedlingsdorf, damals 10 Jahre alt, kann sich noch erinnern, wie ein anderer Suchtrupp einen Amerikaner festgenommen hat, der im Wald in der Nähe des Neudörfels niedergegangen ist. Dieser Platz ist etwa drei Kilometer von jenem entfernt, wo der erste Amerikaner, den der Suchtrupp von Walter Zapfel festgenommen hat, gelandet ist. Wilhelm Berk ist noch gut in Erinnerung, dass der amerikanische Soldat am ganzen Leib vor Angst gezittert hat.

Walter Zapfel kann sich noch erinnern, dass der Rumpf des Flugzeuges einige Zeit in der Nähe des Soldatengrabes bei Buchschachen gelegen ist. Etwa einen Kilometer westlich des Soldatengrabes sind noch heute Wrackteile eines amerikanischen Flugzeuges zu finden. Bei diesen Teilen handelt es sich, wie Roland Pfeiffer aus Markt Allhau herausgefunden hat, mit Sicherheit um Teile einer B-17 Flying Fortress.

Roland Pfeiffer und dem bekannten Buchautor Leopold Banny aus Lackenbach ist es auch zu verdanken, dass nun alle Details über diesen Flugzeugabsturz bekannt sind. Herr Banny stellte eine Abschrift des MACR (Missing Air Crew Report) zur Verfügung, die als Grundlage für die nachfolgenden Aussagen dient: Das abgeschossene Flugzeug ist eine B-17G mit der Seriennummer 42-106988 und gehört zur 348. Staffel der 99.Bombergruppe. Die Maschine ist am 10. Mai 1944 von ihrem Heimatflughafen Tortorella (Italien) aus zu einem Angriff auf Wiener Neustadt gestartet. Auf Position 47 Grad und 6 Minuten Nord und 16 Grad und Null Minuten explodiert es noch in der Luft als es von mehreren deutschen Jagdflugzeugen angegriffen wird.